Halloween bei Volkswagen

Milliarden-Verlust und Alarmstufe rot – oder Vorspiel für die Tarifrunde?

Bilanzen lesen ist kein Hexenwerk!

Halloween ist ein am Abend und in der Nacht vor dem Allerheiligen, vom 31. Oktober auf den 1. November, begangenes Fest, welches durch Verkleidungen und Darstellungen von Gruselmotiven und den Brauch des Süßigkeitensammelns geprägt ist. Die Süßigkeiten will Volkswagen von den Arbeiterinnen und Arbeitern einsammeln: Geringere Löhne und längere Arbeitszeiten zur Maximierung des Profits der Eigentümer, Abschaffung des VW-Gesetzes und die Herren des Hauses störenden Mitbestimmung von Betriebsrat, IG Metall und der Beteiligung des Landes Niedersachsen.

„Wir dürfen keine Zeit verlieren und müssen schnell und entschlossen handeln“ – so beginnt der Finanzchef von Volkswagen den Bericht über das 3. Quartal 2026. Dieses Quartal, so berichten alle Medien am Abend des 29. Oktober, hat einen Milliardenverlust gebracht. Sie alle machen es sich leicht, zitieren lediglich den Finanzvorstand und die Presseerklärung des Konzerns, bereiten so das Vorfeld für die aktuelle Tarifrunde, für Sozial- und Personalabbau und Werkschließungen. Hinzu kommen „Experten“, „Autoprofessoren“ mit ernsten Minen, die die Lage verklären: „Volkswagen hat manche Entwicklungen nicht konsequent genug verfolgt, Wettbewerber nicht frühzeitig als relevant wahrgenommen und daraus nicht rechtzeitig die notwendigen Konsequenzen gezogen. Auch die Restrukturierung am Standort Deutschland kam zu spät und war nicht tiefgreifend genug. … Ich glaube, das Volkswagen in der heutigen Zeit zu groß, zu unflexibel und deutlich zu teuer ist,“ so der oft zitierte Chef des Center of Automotive Management GmbH & Co. KG, Stefan Bratzel, in der HAZ vom 30. Oktober 2027.

Warum machen sich Journalist*innen nicht die Mühe, die Bilanz mal genauer anzusehen? Personalmangel in den Redaktionen allein kann es wohl nicht sein, bei so wichtigen Themen.

8,8 Mrd. Euro operatives Ergebnis vor Sondereffekten in den ersten neun Monaten 2026; Die operative Umsatzrendite beträgt vor Sondereffekten von 3,8% – eben die genannten 8,8 Milliarden Euro und damit auf dem Niveau des gesamten Jahres 2025.

Die „Sondereffekte“. Im Geschäftsbericht heißt es dazu umständlich:

„Bereinigt um die Sondereffekte in Höhe von 8,7 Mrd. Euro, insbesondere nicht zahlungswirksame Abschreibungen auf den Firmenwert von Porsche (6,4 Mrd. Euro), zahlungsunwirksame Wertberichtigungen von Vermögenswerten vollkonsolidierter Gesellschaften in China (rund 1 Mrd. Euro) sowie zusätzliche Aufwendungen im Zusammenhang mit dem angestrebten Verkauf der Volkswagen Osnabrück GmbH, beträgt die Operative Umsatzrendite 3,8%.

…

Im Zusammenhang mit einer aktualisierten Langfristplanung von Porsche hat der Volkswagen Konzern zum Bilanzstichtag eine Werthaltigkeitsprüfung des dem Geschäftssegment Porsche zugeordneten Goodwills (Firmenwert) durchgeführt. … Daraus ergab sich eine nicht zahlungswirksame Wertberichtigung in Höhe von 6,4 Mrd. €, die im Sonstigen betrieblichen Ergebnis des Volkswagen Konzerns erfasst wurde.

Dem Werthaltigkeitstest liegt eine Discounted-Cashflow-Berechnung zugrunde. In dieser wurden unter anderem die mittel- und langfristigen Annahmen zur Ermittlung des Nutzungswerts aktualisiert. Das betrifft die operative Umsatzrendite, die im Rahmen des von Porsche kommunizierten Mittelfristkorridors von 10 bis 15 % aktualisiert wurde, sowie angepasste, geringere Volumenprämissen.“

Die nackten Zahlen sprechen eine andere Sprache:

Das bedeutet: Ohne diese „nicht zahlungswirksamen Abschreibungen“ hätte der Konzern mit dem Autogeschäft in den ersten drei Quartalen mehr Gewinn gemacht, als im gesamten Jahr 2025.

Produktion / Absatz 6 Mio. Fahrzeuge = minus 10 %, der Umsatz beträgt 233 Mrd. Euro und nur minus 2,2 %. Abzüglich des Buchungstricks „Sondereffekte“ bleibt ein Gewinn vor Steuern von 500 Millionen Euro gegenüber 6,1 Milliarden Euro im Vorjahr.

Der Auftragseingang in Europa stieg in den ersten neun Monaten um 4% auf 3,0 Mio. Fahrzeuge (9M 2025: 2,9 Mio.). Der BEV-Auftragseingang legte um 39% zu. Der europäische Auftragsbestand erhöhte sich gegenüber Jahresende 2025 um 11% auf rund 1,1 Mio. Fahrzeuge. Elektrofahrzeuge machten Ende September rund 40% des europäischen Auftragsbestands aus.

Der Volkswagen-Konzern und die veröffentlichten Berichte suggerieren dann, Fabriken müssten geschlossen werden, Autos aus China müssten in die EU und nach Deutschland exportiert werden, Löhne müssten sinken und die Arbeitszeit verlängert werden – alles, um den Konzern zu retten. Ja, es gibt Überkapazitäten und daraus resultierend eine mörderische Konkurrenz – jeder Bau einer neuen Fabrik verschärft dieses Problem der Überkapazitäten.

Bangemachen gilt nicht!

Aber bangemachen gilt nicht. Alle können nachrechnen, wenn sie wollen. Es gibt dringenden Handlungsbedarf, weil der Markt nicht weiter wächst, weil die chinesischen Autohersteller technologisch uneinholbar voraus sind, weil nicht noch mehr Autos gebraucht werden. Aber es geht nicht um Personalabbau und Werksschließungen, sondern um Transformation hin zu anderen, nachhaltigen Produkten der öffentlichen Mobilität und zu einer anderen Produktionsweise einschließlich einer kollektiven Arbeitszeitverkürzung. Die Arbeiterinnen und Arbeiter, die den immensen Reichtum des Porsche-Piëch-Clans geschaffen haben, haben ein Recht auf soziale Garantien.

https://www.volkswagen-group.com/de/zwischenbericht-und-9m-ergebnisse-2026-20751

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