Der Kapitalismus hat fertig!

Wird Volkswagen in Deutschland jetzt abgewickelt?

Natürlich wollen alle Unternehmer die Löhne einfrieren oder besser noch senken – so, wie der Bund, die Länder und Kommunen bei Grundsicherung, Wohngeld, Unterhaltsvorschuss, Schulbegleitung, Pflegegrad, Elterngeld und BaföG Milliarden einsparen. Die Hochrüstung verschlingt hunderte Milliarden auf Kosten des Sozialstaates. Gespart wird bei denen, die keine Lobby haben – und die Aktien von Rheinmetall & Co. knallen durch die Decke.

Beim Abbau des Sozialstaates ist die Regierung ganz fix, Wirtschafts- und Industriepolitik findet dagegen, außer in der Hochrüstung, gar nicht statt. Entsprechend behandelt Volkswagen die sogenannten industriellen Themen als Teil der künftigen Wachstumsstrategie und nennt dabei ausdrücklich die Rüstungsindustrie. Es ist ein in jeder Weise gefährlicher Kampf der Reichen gegen die Armen, der Regierung zusammen mit den Arbeitgebern gegen die Mehrheit der Bevölkerung.

Wird Volkswagen in Deutschland jetzt abgewickelt?

Die IG Metall fordert angesichts der Inflation auch bei Volkswagen bescheidene 5 Prozent Lohnerhöhung – der Konzern antwortet mit der Provokation, die Löhne bis 2030 einzufrieren. Kumuliert würde das eine Reallohnsenkung von über 10 Prozent bedeuten. Das alles, nachdem die Löhne seit 2024 bereits gesenkt und die Arbeitszeiten verlängert wurden, eine weitere tarifliche Senkung um 6 Prozent schon verhandelt wird. Volkswagen hat massiv Marktanteile im kleiner werdenden Weltmarkt verloren, weil nur auf Luxus und große Autos weitgehend mit Verbrennermotoren gesetzt wurde. Der technologische Vorsprung von China ist uneinholbar, zumal die Investitionen in Forschung und Entwicklung bei VW drastisch reduziert werden. Nun geht es laut Plan des Vorstandes um die „Wiederherstellung von Wettbewerbsfähigkeit und Technologieführerschaft“. Gleichzeitig will der Volkswagen-Konzern der attraktivste Automobilkonzern der Welt werden und sich auf die höchsten Gewinnbeiträge konzentrieren, die er sich von SUV-, Pickup- und „Rugged“-Modellen verspricht.

Es ist absurd, was sich Management und Eigentümer da ausgedacht haben.

Nur wenig überraschend ist die Brutalität, mit der der Porsche-Piëch-Clan und das VW-Management die Menschen aus dem Unternehmen treiben will. Erst Löhne kürzen und Arbeitszeit verlängern, Fabriken schließen und jetzt die Leute drangsalieren und buchstäblich rausekeln.

Wenig überraschend ist das, weil das bereits mit dem Transformationskonzept des Vorstandes in den beiden Aufsichtsratssitzungen im Juli und September 2026 angekündigt wurde: 1,5 Milliarden Euro an Fabrikkosten „einsparen“, um vier Werke nicht zu schließen. Weniger Leute sollen schneller und mehr arbeiten: Effizienz durch Beschleunigung der Entwicklungszyklen. Daraus ergibt sich, so das Management, eine Summe von weiteren rund 60.000 Beschäftigten, die nicht mehr benötigt werden. Im Aufsichtsrat wurde angesagt, dass die Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm binnen eines Jahres die Kosten „auf ein wettbewerbsfähiges Niveau“ senken müssen, die nachhaltig diese 1,5 Mrd. Euro pro Jahr ausmachen. Nur dann wird eine Folgebelegung mit neuen Produkten für die genannten Werke geprüft. Um den Druck zu erhöhen, wird der Fahrzeug- und Technologieexport aus China systematisch ausgebaut. Das Ziel sind 300.000 Fahrzeugen pro Jahr. Da die Löhne im Rahmen der Tarifverträge in Deutschland nicht für einzelne Werke gekürzt werden können und sollen, stellt man diesen Anspruch gleich an alle Werke. Die Personalverantwortlichen von Konzern und Marken wurden angewiesen, dazu Gespräche mit den Betriebsräten und der IG Metall zu führen, die bestehenden Regelungen zu kündigen und neu zu verhandeln. Zur Umsetzung dieses Kahlschlags werden Instrumente mit möglichst geringen Kosten genutzt, insbesondere die maximale Forcierung von „Freiwilligkeit“ und die phantasievolle Einführung neuer Instrumente.

Es ist offensichtlich, dass eine solche Sparorgie nicht durchsetzbar, weshalb es aus Sicht des Unternehmens eben um eine Ende der Autoproduktion in diesen Werken geht. Das ist auch insoweit logisch, als die Überkapazitäten tatsächlich abgeschafft werden müssen: Das Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr. Im Kapitalismus gibt es keine Antwort mehr auf diese fundamentale Krise.


Profit oder das Recht auf Mobilität

Einerseits geht es um die Anpassung bzw. Reduzierung der Kapazitäten, weil nicht mehr so viele Autos gebaut und verkauft werden können. Das könnte übrigens auch prima und sehr gerecht durch kollektive Arbeitszeitverkürzung passieren. Andererseits geht es den Eigentümern nicht um Mobilitätsbedürfnisse, sondern nur um den Profit, um den maximal möglichen Profit. Ginge es ihnen um das Recht auf Mobilität, würden sie in andere, unterentwickelte Bereich der Mobilität investieren und smarte Busse und Bahnen bauen. Wir haben dazu am Beispiel des Werkes in Osnabrück Vorschläge gemacht1. Eine solche sozial-ökologische Transformation wäre im Interesse der Arbeiterinnen und Arbeiter und also auch im Interesse der IG Metall, die ansonsten erhebliche Verluste an Mitgliedern und Einfluss zu befürchten hat.

Was bleibt der IG Metall, dem Betriebsrat, den Arbeiterinnen und Arbeitern zu tun2? Dem Betriebsrat ist das Vorhaben nach Einfeiren der Löhne seit Ende vergangener Woche bekannt, als der Vorstand es in einer Versammlung des Weltkonzernbetriebsrates vorstellte. Die IG Metall ist offiziell noch gar nicht informiert. Sie wird sich, wir werden uns wehren müssen, uns unsere sozialen Rechte nicht wegnehmen lassen. Die Familien Porsche und Piëch gehören zu den reichsten Familien in Deutschland und Österreich. Sie haben viele Milliarden an Dividenden in den letzten Jahren kassiert – durch die Arbeit von Hunderttausenden Menschen in Wolfsburg, Zwickau, Emden und Ingolstadt, in Mladá Boleslav und Györ, in Brüssel und Poznan, in Uitenhage und Puebla, in Sao Paulo, Nanjing und vielen anderen Werken, denen jetzt pauschal die Reallöhne gekürzt werden sollen. Der globale Angriff auf die sozialen Rechte und auf die Existenz von Menschen und Familien hat eine globale Antwort der Gewerkschaften verdient und wahrscheinlich auch nur so abzuwehren: Internationale Solidarität.

Der Kapitalismus taumelt auf sein Ende zu, auf „Sozialismus oder Barbarei“.

1https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/volkswagen-in-osnabrueck-vor-grundsatzentscheidung-panzer-oder-kleinbus

2https://www.igm-bei-vw.de/meldung/vw-konzernvorstand-will-jahrelange-nullrunden-fuer-belegschaften-weltweit-durchdruecken

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