Auto und Mobilität. Transformationsdebatte in der Krise

„Auto.Mobil.Krise“.Bericht über die Internationale Konferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Fraktion Die Linke im Bundestag, Stuttgart, 29./30. 10. 2010 in Z – Zeitschrift Marxistische Erneuerung Nr. 84, 12/2010 Auto und Mobilität. Transformationsdebatte in der Krise weiterlesen

Autobetriebsrat trifft Umweltschützer

Konferenz zum Thema Mobilität in Hannover

  • Von Hans-Gerd Öfinger, 31.8.2010, Neues Deutschland
Am Wochenende diskutierten Betriebsräte, Umweltschützer und Globalisierungskritiker in Hannover über »Auto und Mobilität in der Krise«.

Schon die Zusammensetzung der Konferenz war für die Veranstalter ein großer Erfolg. »Wo sonst gelingt es, Betriebsräte und Umweltschützer an einen Tisch zu bringen?«, so Mitinitiator Stephan Krull vom Vorstand der Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen.

Einig waren sich die rund 100 Betriebsräte und Gewerkschafter, Wissenschaftler, Umweltaktivisten und Globalisierungskritiker, dass die Krise längst nicht überwunden ist. Speziell die Autoindustrie sei angesichts globaler Überkapazitäten mit einem Umbruch konfrontiert, der neue Antworten auf die Frage nach Mobilität aufwerfe.

Mit der Krise hat sich der Druck auf die Beschäftigten verschärft, berichteten Betriebsräte. In der Autobranche verloren mehrere zehntausend Menschen seit 2008 ihren Arbeitsplatz. Nun kehrten angesichts jüngster Auftragszuwächse etliche als Leiharbeiter mit bis zu 40 Prozent Lohnkürzung zurück, beklagten die Gewerkschafter.

Konsens bestand darin, dass Überkapazitäten und begrenzte Absatzmöglichkeiten einen Umbau der Branche, etwa durch radikale Arbeitszeitverkürzung, erforderten. Es liege an den Akteuren, ob Menschen auf kapitalistische Weise auf der Straße landeten oder ob es zu einer Umrüstung der Kapazitäten auf gesellschaftlich und ökologisch sinnvolle Produkte komme.

Die IG Metall erstellt derzeit ein Programm für die Auto- und Zuliefererindustrie, wie der Wolfsburger Gewerkschaftssekretär Frederic Speidel bestätigte. Er berichtete, dass im VW-Werk Salzgitter die Produktion von Blockheizkraftwerken anlaufe, was 200 Jobs sichere. Dass solche Ansätze zur Umrüstung auf alternative Produktion zum Tragen kommen, habe auch mit dem VW-Gesetz zu tun, das Niedersachsen eine Sperrminorität und den Arbeitnehmern mehr Einfluss einräume als in anderen Konzernen. »Wir brauchen ein VW-Gesetz für alle«, brachte es Stephan Krull, selbst früher VW-Betriebsrat, auf den Punkt. Der Kampf um den Umbau der Branche sei einzelbetrieblich nicht zu gewinnen und letztlich nur möglich, wenn diese Schlüsselindustrie in gesellschaftliches Eigentum überführt werde.

Winfried Wolf vom wissenschaftlichen Attac-Beirat berichtete, dass 50 Prozent aller Haushalte gar kein Auto besitzen und die Symbolhaftigkeit des Pkw rapide abnehme. Auch die bisherige Verhinderung des Börsengangs der Deutschen Bahn und Massenproteste gegen »Stuttgart 21« seien hoffnungsvolle Anzeichen für eine breite gesellschaftliche Debatte über neue Formen der Mobilität.

Volkswagen – der entfesselte Riese?

Vorbemerkung:

Ein Artikel von mir aus „SOZIALISMUS 6/2004, der wenig an Aktualität verloren hat – einige Personen haben gewechselt, ansonsten wird der Plan für die Hartz-Gesetze im VW-Labor ausprobiert.

Das Foto oben (der gefesselte Riese) ist aus dem Vortrag von Personalvorstand Peter Hartz bei einer Betriebsräteversammlung am 29. April 2004.

 

Die Demagogie wird zur materiellen Gewalt, wenn die Standortfalle zuklappt!

„Ein Quäntchen Angst am Arbeitsplatz könne die Leistungskraft entscheidend steigern, meinen zwei Kölner Betriebswirtschaftler. Ihr Rat an die Manager: Mehr Mut zur Macht!“

Diese krude Idee von zwei wohl Aufträge suchenden „Wissenschaftlern“  könnte man getrost in den Papierkorb werfen, lägen sie damit nicht genau im Zeitgeist. Eine ganze Seite war dieser menschenfeindliche Gedanken-Abfluss dem „manager magazin“ wert. Möglicher weise handelt es sich dabei aber auch nur um eine Blaupause der tarifpolitischen Strategie von Volkswagen für das Jahr 2004, die von der Manager-Idee beseelt scheint, „die Mitarbeiter aus der Komfortzone“ zu holen.[2] Der Begriff „Zone“ ist hier kaum zufällig gewählt, wurde doch über die ehemalige „Ostzone“ gerade als künftige „Sonderwirtschaftszone“ orakelt. Merkmale dieser „Sonderwirtschaftszonen“ sind, neben Steuerfreiheit, die „Befreiung“ von arbeitsrechtlichen Normen, von Tarifverträgen, Koalitionsfreiheit und von Gewerkschaften. Volkswagen – der entfesselte Riese? weiterlesen