Berufliche Bildung: Auf dem Weg zur Gleichwertigkeit – jetzt für ein Stipendium bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung bewerben!
Das neue Förderprogramm „Lux Like Ausbildung“1 der Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützt Azubis finanziell und mit einem umfangreichen Begleitprogramm. Freu dich auf Unterstützung durch Mentor*innen, Netzwerktreffen, Bildungs-Seminare, Skills-Werkstätte, Workshops und Bildungsreisen!
Die Debatte über die berufliche Bildung dreht sich seit Jahren um den Fachkräftemangel im Zuge des demografischen Wandels, um die hohe Zahl junger Menschen ohne Ausbildung sowie um Akademisierungstendenzen im deutschen Bildungssystem. Gleichzeitig bleibt festzuhalten, dass eine berufliche Ausbildung weiterhin für einen Großteil der jungen Menschen attraktiv ist. So beginnen aktuell jährlich knapp 700.000 junge Menschen eine duale oder schulische Ausbildung, während knapp 500.000 Personen ein Studium neu beginnen.
Bildungspolitisch geht es darum, berufliche Bildungswege attraktiv zu gestalten. Junge Menschen sollen befähigt werden, sich aktiv in Beruf und Gesellschaft einbringen zu können. Eine gemeinsame Podiumsveranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) rückt deshalb Fragen nach dem gesellschaftlichen Wert beruflicher Bildungswege in den Mittelpunkt: Wie kann mehr Sichtbarkeit und Anerkennung für berufliche Bildung erreicht werden? Welche strukturellen Voraussetzungen braucht es für echte Gleichwertigkeit verschiedener Bildungswege? Und welche Rolle spielt die Förderung durch Stipendien in der beruflichen Bildung?
Die gesellschaftlichen Herausforderungen des demografischen, digitalen und sozialen Wandels lassen sich nur mit exzellent qualifizierten Fachkräften bewältigen – diese stammen sowohl aus der Hochschule als auch aus der beruflichen Bildung. Seit 2024 finanziert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt erstmals Stipendienprogramme für Auszubildende. Diese ideelle und finanzielle Förderung beruflich Begabter bereits während der Zeit ihrer Erstausbildung eröffnet ein neues Kapitel in der Gleichwertigkeitsdebatte.
Im Mittelpunkt einer Veranstaltung am 29. April 2026 „Berufliche Bildung: Auf dem Weg zur Gleichwertigkeit“ standen praktische Erfahrungen sowie eine gesellschaftspolitische Bewertung. Diskutiert wurden die Perspektive von aktuellen und ehemaligen Auszubildenden, der Mehrwert für Unternehmen und Schulen, die Einschätzung durch Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, das zukünftige Verhältnis zwischen der Förderung von Auszubildenden und Studierenden sowie das Potenzial der neuen Förderprogramme bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels.
Ich hatte das Vergnügen, diese Veranstaltung mit meinen Erfahrungen als ehemaliger Schriftsetzer-Lehrling und später in der Mitbestimmung als Mitglied im Bildungsausschuss eines Großbetriebes zu eröffnen.
Jährlich sind es rund 700.000 junge Menschen in der betrieblichen (400.000) und schulischen (300.000) Berufsausbildung. Allerdings bleiben auch fast 250.000 junge Menschen „auf der Strecke“ bzw. bekommen keinen Ausbildungsplatz. Das addiert sich über die Jahre inzwischen zu drei Millionen Personen im Alter bis 35 Jahre, die weder einen betrieblichen noch eine schulischen Berufsabschluss haben. Ein Teilergebnis davon ist die steigende Jugendarbeitslosigkeit von durchschnittlich 6 Prozent: Von vier Prozent in Bayern und Baden-Württemberg bis fast 10 Prozent in Sachsen-Anhalt und Berlin. Die Krise der Industrie ist auf dem „Ausbildungsmarkt“ angekommen.
Unter diesem Gesichtspunkt ist die Debatte um den sogenannten Fachkräftemangel meines Erachtens anders zu bewerten, als dies zum Beispiel von der Bundesregierung, insbesondere von Bundeskanzler Merz, mit ungenügender Motivation benannt wird.
Schließlich ist das Recht auf Bildung ein Menschenrecht. Die Idee, dass jeder Mensch auf der Welt gleichermaßen ein Recht auf Bildung haben sollte, ist bahnbrechend! Dazu haben sich mit dem Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, der das Recht auf Bildung in Artikel 13 enthält, 160 Staaten der Welt bekannt. In Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte heißt es unter anderem:
- Jeder hat das Recht auf Bildung. Die Bildung ist unentgeltlich, zum mindesten der Grundschulunterricht und die grundlegende Bildung. Der Grundschulunterricht ist obligatorisch. Fach- und Berufsschulunterricht müssen allgemein verfügbar gemacht werden, und der Hochschulunterricht muß allen gleichermaßen entsprechend ihren Fähigkeiten offenstehen.
- Die Bildung muß auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein. Sie muß zu Verständnis, Toleranz und Freundschaft zwischen allen Nationen und allen rassischen oder religiösen Gruppen beitragen und der Tätigkeit der Vereinten Nationen für die Wahrung des Friedens förderlich sein.
Es ist klar, dass gute Bildung Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe ist. Das Stipendium für Auszubildende schafft mit der materiellen und ideellen Förderung, mit Workshops, Skills-Werkstätten und Bildungsreisen einen kollektiven Lernraum auch für emanzipatorische politische Bildung, um Engagement und Aktivismus zu fördern. Demokratie, so vermittelte uns Oskar Negt, muss, im Gegensatz zu Monarchien oder Diktaturen, jede Generation neu lernen. Dem dient vor allem unser ideelles Förderprogramm, das drei wesentliche Dimensionen menschlichen Handelns – Herz, Kopf und Hände, vereint. Jede dieser Dimensionen hat einen klaren Fokus, der sich auf spezifische Inhalte und Methoden konzentriert.
Ebene 1: Herz – Resilienz und innere Kraft. In dieser Ebene steht der Mensch als Individuum im Mittelpunkt. Die Teilnehmer*innen lernen, ihre persönlichen Ressourcen zu erkennen, auszubauen und Herausforderungen im Arbeitsleben mit Selbstbewusstsein und Stärke zu begegnen.
Ebene 2: Kopf – Wissen und Ressourcen: Ökonomie, Rechte und Gerechtigkeit. Hier werden die Stipendiat*innen dazu befähigt, die komplexen Zusammenhänge von Ökonomie, sozialen Rechten und Gerechtigkeit zu analysieren und sich aktiv mit diesen auseinanderzusetzen. Der Fokus liegt auf der gemeinsamen Verantwortung für eine gerechte und nachhaltige Gesellschaft.
Ebene 3: Hände – „Gemeinsam handeln! Werkzeuge für die Weltveränderung“. Die Teilnehmer*innen lernen, wie sie als Gruppe aktiv Veränderungen anstoßen können. Der Fokus liegt auf der Umsetzung von Ideen in die Praxis und der Stärkung von Handlungskompetenzen. Dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt darauf, aus der linken Blase herauszutreten und Brücken zu bauen, um Veränderungen breiter und nachhaltiger in der Gesellschaft zu verankern. Das Programm besteht aus drei Formaten: Bildungswochenenden, Bildungsreisen und einem Mentoring-Programm.
Bewerbungen für das Stipendium sind bis zum 15 Mai möglich!
