Volkswagen instrumentalisiert Geschäfte mit Israel, um sich von seinen faschistischen Wurzeln reinzuwaschen. Eine Gruppe tritt erst auf den Plan, wenn es um Waffen für Israel geht.
Wie es ab Mitte 2027 für VW in Osnabrück weitergeht, ist offen. Der „Financial Times“ zufolge könnten in dem Werk in Zukunft Teile für das israelische Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ produziert werden, nachdem Rheinmetall und KNDS bereits im Gespräch waren. Die Produktion für den Iron Dome wird vom Betriebsrat des Werkes und in der Öffentlichkeit als „rein defensiv und erforderliche Schutzmaßnahme“ und als Hoffnung zur Sicherung der Arbeitsplätze beworben. Für Volkswagen geht es in erster Linie darum, die Überkapazitäten in der Autoproduktion zu vernichten und neue Profitquellen zu erschließen – auch wenn sie solche Produktion als Beitrag zum Schutz von Jüdinnen und Juden und des Staates Israel darstellen.
Es wäre nicht das erste mal, das Volkswagen Geschäfte mit Israel instrumentalisiert, um sich von seinen faschistischen Wurzeln und von den Verbrechen gegen die Menschlichkeit reinzuwaschen – und wird die Rüstungsproduktion in Osnabrück, wenn sie denn kommt, wieder dafür benutzen.
Der Enkel von Kriegsverbrecher Ferdinand Porsche, der Sohn von NSDAP-Mitglied Anton Piëch, der damalige Chef von VW, Ferdinand Piëch, außert sich in seiner Biografie so: „Natürlich bin ich stolz auf meinen Großvater. Und als ich die eminente Rolle des Konstrukteurs begriff, hat mir die ganze Geschichte bloß imponiert und mich nicht eine Sekunde lang belastet, warum auch?“
Volkswagen spricht im Zusammenhang von Investitionen in Israel auch von „friedensstiftenden Investitionen“, weil 1998 am Toten Meer unter Beteiligung von Piëch, Schröder und dem israelischem Premierminister Yitzhak Rabin eine Magnesiumfabrik für Volkswagen errichtet wurde. Piëch selbst bemüht in seiner Biografie diesen Vorgang, die Wahrheit extrem dehnend zur Legitimation: „Wir haben als eine der ersten Firmen historische Forschung veranlasst, selbständig und freiwillig Initiativen ergriffen, haben humanitäre Projekte in Heimatländern der ehemaligen Zwangsarbeiter gestartet, unterhalten die größte Gemeinschaftsunternehmung mit Israel und haben auch – lange vor der Effektivität einer Gemeinschaftsverpflichtung der deutschen Wirtschaft – direkte Zahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter geleistet.“ Tatsächlich hat Ferdinand Piëch sich geweigert, mit den Vertreter*innen der Jüdinnen und Juden, die Entschädigung für die Verbrechen forderten, auch nur zu sprechen und die Zahlungen mit fadenscheinigen Argumenten so lange wie möglich raus gezögert. Im Dezember 2008 wurde das Joint Venture zur Magnesiumherstellung von VW einseitig und gegen israelischen Protest aufgekündigt1.
Seit vielen Monaten wird in Osnabrück um eine zivile Nutzung des Werkes von Volkswagen auf unterschiedliche Art diskutiert, gestritten und gekämpft2. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat einen Vorschlag unterbreitet, der Beschäftigung sichert und die Mobilitätswende unterstützt3.
Jetzt, als lanciert wurde, es werden Teile des israelischen Luftverteidungssystems produziert, tritt ganz unvermittelt eine Gruppe „Palästina antikolonial“ aus Münster auf den Plan und kündigt sehr kurzfristig eine Demonstration an. „Im VW-Werk in Osnabrück könnten schon bald Waffen für Israel produziert werden. Dagegen gehen wir auf die Straße.“ Da drängst sich der Verdacht auf, es geht gar nicht um eine Perspektive für die Arbeiterinnen und Arbeiter, um die Zukunft dieses Werkes, sondern um eine Verschiebung der Debatte weg von der antimilitaristischen Debatte und der sozial-ökologischen Transformation. Wäre es Rheinmetall, was ja durchaus auch im Gespräch war, mit der Waffenproduktion für Kuwait oder Katar, für die USA oder die Bundeswehr – das schien ihnen egal zu sein. Die Gruppe bezeichnete den 23. Oktober bei vorherigen Aktionen, das Morden, Vergewaltigen und Entführen von zivilen Personen, als eine in großen Teilen „erfolgreiche Widerstandsaktion“.
Das die Geschichte damit nicht begann, ist eine Binsenweisheit, dass der Hamas-Terror des 23. Oktober aber der Auslöser für den völkerrechtswidirgen Krieg Israels gegen die Bevölkerung in Gaza war, scheint ihnen kaum der Rede wert.
Diese aufgesetzte Aktion wird den berechtigten Protest gegen die beabsichtigte Umwandlung einer Autofabrik in eine Rüstungsfabrik hoffentlich nicht behindern und nicht weiter einschränken.
1https://stephankrull.info/2019/10/14/piech-die-legende-vom-genialen-techniker/
2https://zukunftswerk-osnabrueck.de/
3https://stephankrull.info/2025/08/10/vw-werk-osnabrueck-vor-der-entscheidung-panzer-oder-kleinbus/
