Arbeit der Zukunft: kurz, souverän und flexibel!

Kurze Vollzeit für alle statt erzwungene Teilzeit für viele

Neues Deutschland, 18.9.2015

Die Erwerbsarbeit verändert sich: Digitalisierung, Globalisierung und demografischer Wandel sind die Stichworte. Die Produktivität steigt, die Absatzmärkte stagnieren. Weniger Beschäftigte werden mehr Güter und Dienstleistungen herstellen, die auf weniger Nachfrage und geringere Kaufkraft stoßen.

Der »Arbeitsmarkt« ist vielfach gespalten: Vollzeit und Teilzeit, Männer und Frauen, hohe Einkommen und Mini-Löhne, Erwerbstätige und Erwerbslose. Es steigen die Anforderungen an die Beschäftigten und an gute Arbeit. Mehr Mitsprache, mehr Eigeninitiative, mehr Anerkennung bei der Arbeit werden gefordert. Die Jahre der Stagnation haben zu großen Ungerechtigkeiten geführt. Männer arbeiten häufig zu lang, oft mit Überstunden; überwiegend Frauen arbeiten unfreiwillig in Teilzeit und Minijobs. Die Regierung lobt sich selbst wegen der vielen Erwerbstätigen, aber es gab noch nie so viel Unterbeschäftigung wie heute: Zehn Millionen Menschen sind erwerbslos oder unfreiwillig in Minijob oder kurzer Teilzeit.

Durch Gleitzeit und »Vertrauensarbeitszeit« haben wir eine gewisse Autonomie schätzen gelernt. Die Arbeitgeber verlangen von den Beschäftigten jedoch grenzenlose Mobilität und zeitlose Flexibilität. Flexibilität, zu der die Beschäftigten bereit sind, kann sich nicht nur auf betriebliche Belange beziehen, sondern muss auch persönliche Bedürfnisse und die Wechselfälle des Lebens berücksichtigen. Die Menschen wollen sich nicht mehr vorschreiben lassen, wann die Arbeit beginnt und wann Schluss ist. Flexibilität und Autonomie wollen wir in Lebensphasen mit Kindern, wenn Pflege von Angehörigen nötig ist, wenn wir uns weiterbilden oder wenn wir einfach eine Pause brauchen und wollen.

Diese nötige Flexibilität und gewünschte Autonomie wird durch kurze Vollzeit von 30 Stunden steigen, wenn persönliche Belange in sicherem Rahmen berücksichtigt werden: Vier-Tage-Woche oder Sechs-Stunden-Tag, drei Wochen arbeiten – eine Woche frei, ein Viertel Jahr durcharbeiten im Projekt – dann eine Auszeit von sechs Wochen oder ein Jahr lang 40 Stunden pro Woche, dann ein Jahr Kunststudium und dann wieder ein Jahr 40 Stunden pro Woche. Wichtig ist der sichere Rahmen: Es gibt das Recht auf diese kurze Vollzeit, das Recht auf eine vereinbarte und gewünschte Abwesenheit im Unternehmen. Die gesetzliche Begrenzung der regelmäßigen Arbeitszeit auf 40 Stunden pro Woche wäre ein wichtiger Schritt in diese Richtung, nachdem der Acht-Stunden-Tag vor fast 100 Jahren erstmals Gesetz wurde. Es wäre ein wichtiger Schritt zur Normalisierung der Verhältnisse in Europa und eine Unterstützung der Gewerkschaften bei ihren tarifpolitischen Zielen. In einem solchen Rahmen kollektiver gesetzlicher und tariflicher Regelungen ist eine individuelle Gestaltung der Arbeits- und Lebenszeit möglich.

Unter den Erwerbslosen und unfreiwillig in Teilzeit Beschäftigten sind viele gut qualifizierte Personen, vor allem Frauen. So könnte auch der Mangel an Fachkräften in der Pflege oder bei Ingenieurinnen und Ingenieuren, bei Facharbeiterinnen und Facharbeitern durch kurze Vollzeit für alle, durch gesicherte Flexibilität und durch gute Bildung und Ausbildung überwunden werden. Dafür ist gleiches Geld und etwa gleich verteilte Zeit für Erwerbsarbeit erforderlich: equal pay und equal time, das ganze Leben für alle!

Der Autor war Mitglied des Volkswagen-Betriebsrates und der IG-Metall-Tarifkommission, beteiligt an der Umsetzung der 30-Stunden-Woche bei VW, Vorsitzender der Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen bis März 2015 und Mitbegründer der Attac AG Arbeit/Fair/Teilen.

Rosa Luxemburg in Indien

13. März 2014, „Rendezvous mit Rosa“ bei einer Veranstaltung zur Eröffnung des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Neu Delhi

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, werte Freunde!

Ich heiße Sie alle sehr herzlich willkommen zum Rendezvous mit der wundervollen Rosa Luxemburg im Namen der Stiftung, die die Ehre hat, den Namen Rosa Luxemburgs zu tragen.

Ich möchte ein wenig erklären, warum unsere Stiftung sich diesen Namen gewählt hat und warum das für uns Ehre und Verpflichtung ist.

Es gibt einige Persönlichkeiten aus der Wissenschaft, der Politik,
aus den Freiheitskämpfen der Völker, die vielen Menschen als Vorbild gelten!
Nelson Mandela wäre zu nennen, aus Ihrem Land sicher Mahatma Gandhi und der große Dichter Rabindranath Tagore. Rosa Luxemburg in Indien weiterlesen

Ein Betrieb – eine Gewerkschaft!

Wie wird dieses Ziel von den Arbeiterorganisationen erreicht? Jedenfalls nicht durch das Tarifeinheitsgesetz der Bundesregierung oder durch die »Kooperationsvereinbarung« einiger DGB-Gewerkschaften mit ihrem Dachverband

Stephan Krull

Wozu noch Gewerkschaften?« fragte sich der Sozialphilosoph Oskar Negt vor zehn Jahren in seinem gleichnamigen Büchlein. Dieses Problem gewinnt in den letzten Monaten zusätzliches Gewicht: Die beiden Beschäftigtenorganisationen bei der Bahn AG, die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), führen harte Auseinandersetzungen. Gewerkschaften streiten sich um Zustimmung oder Ablehnung des »Tarifeinheitsgesetzes«. Und nicht zuletzt gibt es einen deutlichen Riss im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) wegen der »Kooperationsvereinbarung« zwischen IG Metall, EVG, IG Bergbau, Chemie, Energie (BCE) und IG Bauen, Agrar und Umwelt (BAU), das die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) außen vor lässt. Zwar haben ver.di und GEW gemeinsam für die Angestellten der Länder verhandelt, der Abschluss erfolgte jedoch ohne Ein…

 

https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/2015/05-22/008.php

Wieviel wollen wir noch arbeiten?

35 Wochenstunden, 32 oder 30: In der Malocherrepublik Deutschland ist es keine Schande, weniger Arbeit zu fordern. Und das unabhängig von Kita-Zeiten. Die neue Arbeitszeitdebatte dreht sich um Sinn, Gerechtigkeit und Machtfragen.

„Ich glaube, dass wir gerade einen historischen Entwicklungsschritt vorbereiten“, sagt Stephan Krull, 66. Er arbeitet seit den achtziger Jahren bei Volkswagen und neigt nicht zum Pathos. Inzwischen hat er bei Attac die Arbeitsgemeinschaft „Arbeit FairTeilen“ gegründet. Ihr Ziel: Die Zahl der Wochenarbeitsstunden soll in Zukunft auf 30 sinken. Für eine Vollzeitstelle.

http://www.spiegel.de/karriere/arbeitszeit-einfuehrung-der-30-stunden-woche-und-elterngeldplus-a-966832.html

Kraft durch Freude (KdF): Wirkungsvolle NS-Propaganda

 

Vor 80 Jahren wurde die »NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude« ­gegründet. Sie sollte die vermeintliche Aufhebung der Klassenwidersprüche zugunsten der »Volksgemeinschaft« unterstreichen

Sucht man im Internet nach KdF, stößt man auf ein von Neonazis geplantes Museum vis-à-vis dem Volkswagenwerk in Wolfsburg, das am Ableben des Sponsors Jürgen Rieger scheiterte. Außerdem findet man den »Kreis deutschsprachiger Führungskräfte« in Spanien: »Wir möchten Ihnen wieder ein Kreistreffen anbieten, an dem sich die Mitglieder und Freunde des KdF abends in informeller Runde treffen können.« Als KdF finden sich in Barcelona bis heute Rüstungsmanager, Vertreter der chemischen Industrie und Bertelsmänner zusammen.

Am 27. November 1933 wurde die »NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude«, die KdF gegründet. Mit ihr sollten Arbeiterinnen und Arbeiter an das Nazisystem gebunden werden. Damit war das Versprechen auf Urlaubsreisen, bunte Abende, schöne Konzerte und den »Volkswagen« verbunden. Kraft durch Freude (KdF): Wirkungsvolle NS-Propaganda weiterlesen

Geprellte »Volksgenossen« und Zwangsarbeit

75 Jahre »Stadt des KdF-Wagen« – an diesem Wochenende feiert Wolfsburg. Aber was?

Von Hans-Gerd Öfinger, 29.6.2013, Neues Deutschland

»Beeindruckend jung« präsentiert sich Wolfsburg zur 75-Jahr-Feier. Die niedersächsische Industriestadt, Stammsitz des mit ihr gewachsenen VW-Konzerns, setzt sich als weltoffene Stadt in Szene, die ihre Geschichte sauber aufgearbeitet habe. Wolfsburg und VW geben sich als Symbiose, als Hochburg deutscher Mitbestimmungs- und Konsenskultur mit einer zufriedenen Belegschaft.

Dunkle Flecken, die in der offiziellen »Erfolgsgeschichte« ausgeblendet sind, fördert ein von Ex-VW-Betriebsrat Stephan Krull herausgegebenes Buch zu Tage. Die Grundsteinlegung für die Fabrik und die »Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben«, die erst seit 1945 Wolfsburg heißt, nahm Hitler persönlich im Mai 1938 vor. KdF steht für »Kraft durch Freude«, eine Unterorganisation der NS-Betriebsorganisation Deutsche Arbeitsfront. Tatsächlich bildete geraubtes Vermögen der 1933 von den Nazis gewaltsam aufgelösten Freien Gewerkschaften den finanziellen Grundstock für das Werk.

Krulls Buch entzaubert den Mythos »Massenmotorisierung durch Volkswagen«. Bis Kriegsausbruch wurden hier nur wenige hundert Käfer für die »Volksgenossen« produziert, danach 65 000 Militärfahrzeuge. Geprellte KdF-Sparer, die den versprochenen VW Käfer nie geliefert bekamen, klagten bis 1960 auf Schadensersatz. Auch mit dem Porsche-Kult räumt das Buch auf. Der von Hitler mit der Konstruktion eines Prototyps beauftragte Ferdinand Porsche war kein unpolitischer Technokrat. Abgesehen davon, dass sich der »geniale« Porsche das Knowhow bei Ford und US-Fachleuten besorgte, begegnen wir im Buch einem von der NS-Ideologie zutiefst durchdrungenen »Wehrwirtschaftsführer«, der bis zuletzt Durchhalteappelle verbreitete. Mit der Sklavenarbeit von Zwangsarbeitern im »SS-Musterbetrieb« konnte Porsche riesige Reichtümer anhäufen, Fundament für das Milliardenvermögen des heutigen Porsche-Piëch-Familienclans, der nach einer Übernahmeschlacht VW-Mehrheitsaktionär geworden ist. Schäbig verhielt sich der Konzern in der Frage der Entschädigung von mehr als 25 000 Zwangsarbeitern; man spielte auf Zeit und gestand bescheidene Zahlungen erst nach über 50 Jahren zu – für viele zu spät. Eine persönliche Entschuldigung haben die Familien Porsche und Piëch bis heute nicht zustande gebracht.

Anfang 1945 setzte sich Porsche mit zehn Millionen Reichsmark in der Tasche nach Österreich ab. Der Wolfsburger Betrieb ging nach der Befreiung vom Faschismus in den Besitz des Landes Niedersachsen über. Eine konsequente »Entnazifizierung« fand nicht statt. Anfang 1948 ernannte die britische Besatzungsmacht Ex-Rüstungsmanager Heinrich Nordhoff zum VW-Generaldirektor. Dass dessen Tochter 1959 Porsche-Enkel Ernst Piëch heiratete, dürfte Ausdruck weitsichtiger Heiratspolitik gewesen sein und den Wiedereinstieg des Familienclans bei VW begünstigt haben. 1960 wurden 60 Prozent der VW-Aktien an der Börse verkauft, Niedersachsen und der Bund behielten jeweils 20 Prozent. Um diese von Krull als »zweite Enteignung« bezeichnete Teilprivatisierung kosmetisch zu verbrämen, propagierten Kanzler Adenauer und Wirtschaftsminister Erhard »Volksaktien«. Mit der Beschränkung der Macht privater Anleger im »VW-Gesetz« zogen sie 1960 Belegschaft, Gewerkschaft und SPD ins Boot. 1988 privatisierte die Regierung Kohl dann den Anteil des Bundes. Was also feiert man am Wochenende in Wolfsburg?

Stephan Krull: 75 Jahre »Stadt des KdF-Wagen«/Wolfsburg. Ossietzky-Verlag. 164 S., br., 14,95 €.

Die Vergangenheit ist nicht vorbei. Volkswagen und die Autostadt Wolfsburg

Der Bau des Volkswagenwerkes durch Porsche und die Nazis

Die „Stunde Null“ gab es nicht – geschäftliche, personelle und ideologsiche Kontinuitäten

Werk und Stadt wollten sich der Vergangenheit entledigen

Artikel aus SOZIALISMUS, 4-2012

https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Themen/GK_Geschichte/Sozialismus_04-2012_Krull.pdf

Die Ökonomie vom Kopf auf die Füße stellen!

Thesen zur Tarifrunde 2012
express, 17.02.2012

Auf was muss sich Tarifpolitik in der Krise einstellen, wie kann sie dieser begegnen? Einen Aufschlag dazu hatten wir in der letzten Ausgabe des express mit dem Diskussionspapier der Gewerkschaftslinken dokumentiert. Stephan Krull nimmt den Ball auf und bezieht sich in seinen Thesen zu den anstehenden Tarifrunden im Öffentlichen Dienst und Metallbereich u.a. auf dieses Papier. Unter dem Motto »Arbeit und Geld umfairteilen« entwickelt er jedoch eine Perspektive, die verteilungspolitische Fragen mit Arbeitszeitverkürzung und einer anderen gesellschaftlichen Arbeitsteilung verbindet und so über klassische monetäre Umverteilungsforderungen hinausgeht.

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Die Vergangenheit ist längst nicht vorbei

Tagung beleuchtete die Rolle Ferdinand Porsches im Dritten Reich und die anhaltende Verehrung des Wehrwirtschaftsführers

  • Von Stephan Krull, Wolfsburg, 6.12.2011, Neues Deutschland
Eine Tagung der Rosa-Luxemburg-Stiftung beschäftigte sich am Wochenende in Wolfsburg mit der Nazivergangenheit des Auto- und Panzerkonstrukteurs Ferdinand Porsche.

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung Niedersachsen, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) sowie das Wolfsburger Zentrum für demokratische Bildung luden am vergangenen Sonnabend zu einer Tagung in die VW-Stadt, die der Frage nachging, ob »Ferdinand Porsche genialer Techniker oder Kriegsverbrecher« gewesen sei. Einleitend wurde hervorgehoben, dass es in der aktuellen Auseinandersetzung mit dem Neofaschismus nicht nur eklatantes Staatsversagen, sondern – schlimmer noch – eine verdeckte Kumpanei zwischen Teilen des Staatsapparates und neonazistischen Terroristen gibt. Das ist von Bedeutung, weil die Justiz bereits in den späten 1940er Jahren bei der Entnazifizierung versagt hat. Die Blindheit auf dem rechten Auge hat eine schreckliche Kontinuität. Vor wenigen Wochen wurde durch den niedersächsischen Ministerpräsidenten McAllister in Argentinien ein »Ferdinand-Porsche-Institut« zur Ausbildung von Ingenieuren eingeweiht. In Wolfsburg wurde der dortige Wohnsitz Porsches während des Werksbaues und Kriegsproduktion von 1938 bis 1945, die sogenannte »Porsche-Hütte«, von der Stadt an Volkswagen verkauft. Die Erben des SS-Offiziers und Wehrwirtschaftsführers wollen dort »das Andenken an den Großvater« museal aufbereiten. Im Rathaus der Stadt sollte vor wenigen Monaten ein Sitzungssaal nach Ferdinand Porsche benannt werden – nur am Veto des Rats- und Landtagsmitgliedes der LINKEN, Pia Zimmermann, ist dieses Vorhaben gescheitert.

Die Initiatoren der ersten öffentlichen und keineswegs folgenlosen Diskussion um die Porsche-Verklärung vor fast 25 Jahren berichteten über ihre damaligen Erfahrungen: der Pastor Hartwig Hohnsbein, die damalige Ratsfrau der Grünen Betty Rannenberg und Mechthild Hartung für die VVN-BdA, Pia Zimmermann von der Linkspartei berichtete von der Angst in der Stadtpolitik, sich kritisch mit der Person Ferdinand Porsche auseinanderzusetzen.

Der Journalist und Autor Otto Köhler referierte über die Rolle von Porsche in der Zeit des Faschismus und die Bearbeitung dieses Komplexes durch den Historiker Hans Mommsen im Auftrag von VW. Dazu benötigte die Forschergruppe etwa zehn Jahre. Schließlich kam man 1996 zu dem Ergebnis, dass Porsche kein Verbrecher gewesen und eine Entschädigung der Zwangsarbeiter nicht möglich sei. Dabei war bekannt, dass der 1939 zum Wehrwirtschaftsführer ernannte Porsche als Vorsitzender der Panzerkommission und Rüstungsrat tief in die nationalsozialistischen Verbrechen verstrickt war. So gab er persönlich Anweisungen zur »Beschaffung« von KZ-Häftlingen und sowjetischen Kriegsgefangenen. Schließlich gab es doch noch eine Entschädigung der noch lebenden ehemaligen Zwangsarbeiter, aber nur aufgrund des öffentlichen Drucks. Seitdem ist es um den 1951 verstorbenen Porsche wieder still geworden.

Mechthild Hartung wurde von Pia Zimmermann in der Forderung unterstützt, keine Straßen und öffentlichen Einrichtungen mehr nach Porsche und anderen Naziverbrechern zu benennen. Im Gegensatz zu den 90er Jahren, als ein solcher Antrag an der CDU-Mehrheit im Stadtrat scheiterte, gibt es heute eine rot-grüne Mehrheit im Rat. Die Abwesenheit von Politikern der Grünen und der SPD bei der Veranstaltung macht aber deutlich, dass Druck aus der Öffentlichkeit erzeugt werden muss, um die Porsche-Verehrung in Wolfsburg zu beenden und zu verhindern, dass die Person und die Rolle von Porsche weiter verklärt werden.

In einer kleinen Kunstausstellung hing ein Transparent, das seit vielen Jahren am 8. Mai in der Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus in Wolfsburg getragen wird: »Ihr sollt die Ermordeten nicht und nicht die Mörder vergessen«.

Die jüngst bekannt gewordene Tatsache, dass der langjährige VW-Betriebsratsvorsitzende und Wolfsburger Oberbürgermeister, Hugo Bork, Mitglied der NSDAP war, wirft eine Reihe weiterer Fragen auf, die einer Klärung bedürfen. Die Veranstalter der Tagung haben sich vorgenommen, die erforderliche Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit dafür zu leisten.