Rüstungscluster Niedersachsen

Vom VW-Land zum Rüstungscluster

Werden im Volkswagenwerk in die Osnabrück künftig smarte Busse für den öffentlichen Verkehr oder Drohnen, Panzerwagen oder Raketen gebaut?
Angesichts der Profiterwartungen der Eigentümer, der Taten- und Ideenlosigkeit des Managements und der Absatzkrise der Autoindustrie hoffen viele der noch etwa 2.000 Arbeiterinnen und Arbeiter auf ein Wunder.

Und wenn Rheinmetall, Diehl, KNDS, RADS oder sonst ein Rüstungshersteller zuschlägt, werden die Gewerkschaft, der Betriebsrat, die Arbeiter und die Ingenieure sich erst Recht wundern. Erst wird grob ausgesiebt, weil bei weitem nicht alle Angestellten rüstungsindustrietauglich sind. Und dann kommen noch Gesinnungs- und Sicherheitsüberprüfungen von MAD und Verfassungsschutz. Am Ende würden weniger als die Hälfte der Arbeitsplätze übrig bleiben.

Rüstung vernichtet – auch Geld und Arbeitsplätze !
Rüstungsproduktion kurbelt die Wirtschaft nicht an, sondern ist eine Sackgasse! Staatsausgaben in Bildung oder Infrastruktur bewirken gesamtwirtschaftlich ein Vielfaches dessen, was in die Rüstung gesteckt wird. Eine Granate aus Unterlüß kostet 4.000 Euro. Und davon werden über 300.000 pro Jahr produziert. Allein dafür viele Millionen Euro Profit für diejenigen, die ohnehin schon reich sind. Das alles bringt der Gesellschaft sonst gar nichts, irgendwo auf der Welt aber Zerstörung, Not, Elend und Tod. Hinzu kommt, dass das Geld für die Rüstung im Gesundheitswesen, im ÖPNV oder in der Sanierung von Schwimmbädern und Bibliotheken fehlt.

Friedensstadt Osnabrück

Der Kampf um zivile Produktion im Osnabrücker VW-Werk ist deshalb weit über diesen Standort hinaus von Bedeutung – auch für die Rüstungslobby. Die Porsche SE, die Holding der Familien Porsche und Piëch, will mit einem eigenen „Defense Day“ den Aufbau einer Plattform für Investitionen in Technologieunternehmen in Zusammenarbeit mit weiteren Investoren anstoßen. „Wir wollen uns im Portfoliosegment verstärkt im Verteidigungs- bzw. verteidigungsnahen Bereich engagieren“, so der Aufsichtsratsvorsitzende Pötsch.

Die Unternehmerverbände Niedersachsens haben dazu das Netzwerk „Wehr- und Sicherheitstechnik“ für den Rüstungscluster Niedersachsen gegründet. Stolz berichtet der Abteilungsleiter dieses Spitzenverbandes der niedersächsischen Wirtschaft, Joachim Algermissen, einst Büroleiter des derzeitigen FDP-Chefs Christian Dürr im Bundestag, über die „Goldgräberstimmung“ der beteiligten Unternehmen beim Jahresnetzwerktreffen der Automotive Agentur Niedersachsen im Herbst 2025 in Hannover.

Im Fokus die Chancen und Anforderungen in der von ihnen so genannten Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Algermissen
macht deutlich, worum es geht: Fördermittelzugänge öffnen und soviel Geld wie möglich von den Rüstungsmilliarden abgreifen.
Die Rüstung ist dank der Bedrohungsszenarien raus aus der Schmuddelecke. Für das Rüstungscluster Niedersachsen werden die Anforderungen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie und die Kundensicht der Rüstungsindustrie bearbeitet.
Im Mittelpunkt stehen Fragen zu Vernetzung, Kooperationen, Zugang zu Aufträgen, Fördermöglichkeiten und Partnern.

Panzerstahl aus Salzgitter
Torsten Möllmann ist Leiter der „Task Force Defence“ der Salzgitter AG, berichtete stolz über die Geschwindigkeit, in der der Konzern hochfeste, schusssichere und explosionsfeste Stähle für Panzer, Kriegsschiffe und Flugzeuge entwickelt hat. In orwellscher Art erklärt er, dass täten sie „für Deutschland, für Europa, für die NATO, für unser Land, für unsere Interessen, für unsere Demokratie.“
Zu den Rüstungsunternehmen in Niedersachsen wie Airbus, Salzgitter AG, MTU, Thyssen-Krupp und Rheinmetall will jetzt noch Volkswagen hinzukommen. Und die Städte Unterlüß, Salzgitter, Osnabrück, Stade, Buxtehude und wo die sonst noch ansässig sind, rücken ins Visier derjenigen, die mal zu- oder zurückschlagen wollen.

Höchste Zeit, dass Kommunen, Gewerkschaften, linke innerhalb und außerhalb der Parlamente und antimilitaristische Bewegungen diesen Wahnsinn als gefährliche Sackgasse erkennen, benennen und dagegen mobilisieren.



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